Nun ist es offiziell: Ein neuer Medizinertest wird kommen - der TMSnat. Er wird eine Kombination aus TMS und HAM-Nat sein und diese Tests 2027 ablösen.
In diesem Artikel erfahrt ihr alle bislang bekannten Informationen.
Im Dezember 2017 urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass das bisherige Auswahlverfahren für Medizin neu gestaltet werden muss, da es in einigen Aspekten unfair und ungeeignet war.
Es folgte der Wegfall der „Wartezeitquote“, da dies kein geeignetes Auswahlkriterium ist und ein neues Verfahren zum Ausgleich der Abiturnoten in verschiedenen Bundesländern, da ein 1er Abi z.B. in Hamburg und Bayern unterschiedlich schwer zu erreichen ist.
Außerdem erhielten die Bundesländer den Auftrag, bestehende Testverfahren zu überprüfen, anzupassen und zu standardisieren. Dies war der Startschuss für den „Studierendenauswahl-Verbund“ (stav), einem Zusammenschluss der medizinischen Universitäten, die in den nachfolgenden Jahren intensiv zur Studierendenauswahl forschten.
Der Studierendenauswahl-Verbund (stav) überprüfte den Studienerfolg, also z.B. Noten oder Durchfall- /Abbrecherquote im Studium, in Abhängigkeit der Ergebnisse im Auswahlverfahren.
Es zeigte sich, dass die Abiturnote, der TMS und der HAM-Nat zur Vorhersage des Studienerfolges geeignet sind. Hierbei gibt es jedoch zu jedem Kriterium ein „Aber“.
Trotz aller Kritik an der Abiturnote als Auswahlkriterium ist es so, dass Personen mit sehr guter Abiturnote im Schnitt auch gut durch das Studium kommen.
Aber: Trotzdem gibt es eine Vielzahl von Studierenden, die ein „schlechtes“ Abiturergebnis haben und sehr gute Studienleistungen bringen. Das Abiturergebnis ist nachträglich nicht mehr veränderbar und es kann viele Gründe geben, warum jemand in der Schulzeit nicht sein volles Potenzial zeigen kann. Auch solche Bewerber:innen müssen eine Chance auf einen Studienplatz erhalten. Hier können die Testergebnisse aus HAM-Nat und TMS besser den Studienerfolg vorhersagen. Denn es zeigte sich, dass Personen mit „schlechtem“ Abi und sehr gutem Testergebnis mindestens genauso gut durch das Studium kommen wie Personen mit sehr gutem Abi.
Der TMS hat sich als „Standardtest“ etabliert und wird von fast allen deutschen Universitäten zur Auswahl für die Studienplätze in Medizin genutzt. Er benötigt außer Mathe-Basics kein Vorwissen, sondern testet eher „Logisches Denken“ und Erinnerungsvermögen.
Aber: Gerade bei der Analyse der Untertests zeigt sich, dass einige davon besser und andere schlechter geeignet sind.
Die Untertests Textverständnis, Medizinisch-naturwissenschaftliches Verständnis, Diagramme & Tabellen und Quantitative und formale Probleme prognostizieren den zukünftigen Studienerfolg gut.
Die Untertests Figuren & Fakten, Muster zuordnen und Schlauchfiguren weniger gut.
Der HAM-Nat als Zulassungstest war seit jeher ein „Sonderprojekt“ und wurde zuletzt nur noch an zwei Universitäten zur Auswahl in Medizin eingesetzt: Hamburg und Magdeburg.
Der HAM-Nat besteht zum Großteil aus naturwissenschaftlichen Aufgaben zu Mathe, Physik, Chemie und Biologie auf Mittel- & Oberstufenniveau. Im Gegensatz zum TMS benötigt man hier also Vorwissen, für das man vorher lernen muss.
Der HAM-Nat zeigte sich als sehr effektiv, um den Studienerfolg vorherzusagen. Außerdem fiel es den Studierenden deutlich leichter, den Inhalten in den ersten Semestern zu folgen, da sie durch den Test ein so gutes Vorwissen in den Fächern Mathe, Physik, Chemie und Biologie hatten, die auch in den ersten Semestern des Medizinstudiums sehr wichtig sind.
Aber: Der HAM-Nat ließ sich auch gut durch „Auswendiglernen“ meistern und man konnte sich für die Vorbereitung so viel Zeit nehmen, wie man möchte. Hierdurch lässt sich also schwer überprüfen, wie gut Bewerber:innen neue Zusammenhänge schnell verstehen und anwenden können, was im Studium essenziell ist.
Zusammengefasst haben also das Abiturergebnis, der TMS und der HAM-Nat ihre Stärken und Schwächen.
Das Abiturergebnis ist ein einfaches und günstiges Kriterium, das keinen weiteren Test erfordert. Allein hierdurch dürfen die Studienplätze aber nicht vergeben werden.
Der TMS und der HAM-Nat haben ihre jeweiligen Stärken und Schwächen. Durch eine Zusammenlegung der Tests können die Stärken kombiniert werden.
Das ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht. Er wird voraussichtlichen aus einem Naturwissenschaftsteil (wie beim HAM-Nat) bestehen und einige Untertests des TMS verwenden.
Zusätzlich könnte er noch durch Tests zu sozialen Kompetenzen ergänzt werden. Hamburg hat hier bereits Erfahrung mit dem „HAM-SJT“, einem schriftlichen Test, der verschiedene soziale Szenarien beschreibt und man ankreuzen muss, welche Reaktion geeignet und welche eher ungeeignet wäre.
Andere Universitäten haben hierfür Interviewverfahren erprobt, in denen sie ebenfalls soziale Kompetenzen, Motivation und Empathie untersuchen.
Genauere Informationen für die Zukunft liegen jedoch noch nicht vor.
Auch diese Aspekte wurden vom stav erforscht. Jedes dieser Kriterien hat Stärken und Schwächen. Es gibt noch keine Veröffentlichungen dazu, wie mit diesen Ergebnissen umgegangen werden soll.
Wir gehen davon aus, dass jede Universität weiterhin aussuchen kann, ob und zu welchem Gewicht sie diese Kriterien einbringen kann.
Ja, es soll für 2027 Übergangsregelungen für alte HAM-Nat- und TMS-Ergebnisse geben. Dies ist besonders beim HAM-Nat auch notwendig, denn:
Die HAM-Nat Ergebnisse waren bislang immer so lange gültig, dass sie für zwei Wintersemester-Bewerbungen verwendet werden können.
Das HAM-Nat-Ergebnis aus September 2025 müsste somit für die Bewerbung zum Wintersemester 2026/2027 und 2027/2028 gültig sein, genau wie das Ergebnis des HAM-Nat im März 2026.
Wenn schon im Frühjahr 2027 der TMSnat kommt, muss noch zu klären sein, ob die HAM-Nat Ergebnisse aus September 2025 und März 2026 trotzdem noch für Bewerbung zum Wintersemester 2027/2028 verwendet werden können. Da die Information, dass HAM-Nat Ergebnisse für zwei Jahre gültig sind, nie verändert wurden, wäre es unfair, wenn die Gültigkeit einfach nachträglich verkürzt wird.
Andererseits würde sich bei einem Beginn des TMSnat im Frühjahr 2027 somit die Frage stellen, ob zum Wintersemester 2027/2028 in Hamburg sowohl HAM-Nat als auch TMSnat gültig wären und wie die Vergabe dann geregelt wird.
Das Einfachste wäre gewesen, den TMSnat ab Herbst 2027 einzuführen, und jetzt zu veröffentlichen, dass die zukünftigen HAM-Nat Ergebnisse aus September 2026 und März 2027 nur einmal zum Wintersemester 2027/2028 verwendet werden können. Aber naja, mich fragt ja keiner.
Die Auswahltestzentrale (Ersteller des HAM-Nats) möchten sich hierzu noch Gedanken machen und eventuelle Übergangsregelungen bekanntmachen. Es kann auch Übergangsregelungen für den TMS geben.
Wir halten euch auf dem Laufenden, sobald es neue Informationen gibt!
Wenn ihr selbst die offiziellen Informationsseiten im Blick haben möchtet, findet ihr sie hier:
https://auswahltestzentrale.de/
Da könnt ihr sicher sein! 😊
Wir werden euch die bestmögliche Vorbereitung für den TMSnat erstellen. Stay tuned!
Zuletzt aktualisiert am 17.11.2025

4.9